Literaturwissenschaft und Belletristik

Kalendergedichte

Altstadtflair im Wartezimmer

Es blühen selbst zur Winterzeit

die Rosen für die Ewigkeit

hoch oben in der Decke,

sehr schön ist auch der Deckenrand,

hier zieht ein hölzern Spitzenband

sich hin von Eck' zu Ecke.

Mir öffnet sich im wachen Traum
die alte Zeit im Warteraum,
sie malt ein junges Mädchen,
es schreibt der Freundin wohlgemut,
was sich so in der Liebe tut,
und manches aus dem Städtchen.

Ich folge seiner zarten Hand,
sie ragt aus seidigem Gewand,
es ist, als ob ich’s fühle.
Bewegung plötzlich, etwas knarrt,
die Tür geht auf zur Gegenwart,
ein Luftzug bringt mir Kühle.

Ein weißer Kittel sieht hervor,
mein Name klingt mir fremd im Ohr,
als ob ich mich nicht kenne,
dann sieht der Kittel her zu mir,
mir fehlt noch für den Sender hier
die passende Antenne.